Wie funktioniert die Blockchain?

Kooperieren Sie vollständig automatisiert mit Ihren Geschäftspartnern? Wahrscheinlich gehören Sie zu den 96 Prozent der Unternehmen, die in weiten Teilen der Kommunikation und Koordination der Geschäftspartner auf klassische Mittel wie Telefon, Fax und E-Mail setzen. Und das ist vollkommen verständlich. Wollen Sie Transaktionen mit Geschäftspartnern digital abbilden, so müssen Sie heute IT-Integrationslösungen wie EDI nutzen, die sehr unflexibel, teuer und damit vollkommen ungeeignet für dynamische Partner-Beziehungen sind. Alternativ stehen Ihnen B2B-Marktplätze zur Verfügung, die verschiedene Geschäftspartner miteinander verbinden. Nur nutzen die wenigsten mittelständischen Unternehmen B2B-Marktplätze, da sie sich nicht in die Abhängigkeit von zentralen Vermittlern begeben wollen.

Genau hier kommt Blockchain ins Spiel. Mit Blockchain können Geschäftsbeziehungen direkt zwischen zwei oder mehr Geschäftspartnern digital und vertraulich abgebildet werden. Schritt für Schritt dringt die innovative Technologie, die bisher nur von Crypto-Währungen wie Bitcoin bekannt war, in das Umfeld klassischer Unternehmen vor. Blockchain wird die Grundlage für sichere, vertrauensvolle und automatisierte Prozesse zwischen Unternehmen legen.

Wie funktioniert die Blockchain? Infografik

Sichere Transaktionen direkt zwischen Unternehmen

Im Kern ist die Blockchain ein verteilter Speicher, in dem Transaktionsdaten so gespeichert werden, dass diese nicht veränderbar sind. Die Daten liegen also nicht auf einem zentralen System oder in einer Cloud, sondern sind auf alle Knoten im Netzwerk verteilt. Die Blockchain „gehört“ also nicht einer Person sondern allen Beteiligten. Aufgrund der Art der Speicherung der Daten wird sichergestellt, dass einmal bestätigte Daten nicht manipuliert werden können.

Lebenslange digitale Identität für reale Güter

Neben Transaktionsdaten wie Bestellungen, Aufträgen oder eben Zahlungsinformationen können in der Blockchain auch digitale Identitäten für reale Güter vorgehalten werden. So können zum Beispiel Maschinen eine digitale Repräsentation in der Blockchain erhalten und zukünftig als Interaktionspartner fungieren. Eine solche Identität kann in Zusammenhang mit dem nicht manipulierbaren Speicher für ein lebenslanges Logbuch einer Maschine genutzt werden, welches, genau wie die Maschine selbst, auf verschiedene Besitzer übertragen werden kann. Neben einfacheren Nachweisen über Service-Aktivitäten oder Laufleistungen lassen sich auf der Basis auch vollkommen neue „pay per use“-Geschäftsmodelle umsetzen.

Selbstüberwachende digitale Verträge

Ein dritter Baustein der Blockchain-Technologie ist die Möglichkeit, digitale Verträge zwischen Geschäftspartnern zu schließen, die die Einhaltung der Vertragsbedingungen selbst überwachen. Grundsätzlich können mittels Blockchain-Technologie Verträge zwischen zwei oder mehr Geschäftspartnern geschlossen werden, die aufgrund der Nicht-Manipulierbarkeit und Zugangssicherheit eine verbindliche Geschäftsbeziehung beschreiben. Neben den eigentlichen Vertragsbedingungen können smarte Blockchain-Verträge aber auch Logik enthalten, die im Vertrag ausgeführt wird. Diese Smart Contracts werden zum Beispiel genutzt, um den Vertragsablauf zu automatisieren. So können Bedingungen definiert werden, die die Geschäftspartner verpflichten, bestimmte Auftragsfortschritts-Informationen zu dokumentieren, eine dritte Partei einzubinden, um ein Arbeitsergebnis zu validieren, oder bei Erreichen eines bestimmten Fortschritts Aktionen wie Bezahlungen auszulösen.

Ist Blockchain das neue Cloud-Computing?

Blockchain und Cloud-Computing sind nicht direkt vergleichbar. Wesentlicher Unterschied ist, dass eine in der Cloud betriebene Anwendung im eigentlichen Sinne eine Auslagerung der IT-Systeme in einen zentralen Cloud-Standort bedeutet. Der Besitz der in der Cloud betriebenen Lösung liegt aber immer bei einer Person oder einem Unternehmen. Cloud hilft also, IT-Kosten zu sparen, aber nicht dabei, unternehmensübergreifende, vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen abzubilden und Daten ohne zentralen Mittler direkt zwischen Unternehmen auszutauschen. Blockchain wiederum ist dagegen nicht geeignet, pure Rechenkapazität auszulagern. Auch wenn Smart Contracts im eigentlichen Sinne verteilte IT-Anwendungen sind, so werden nicht alle Anwendungen auf Blockchain-Basis umgesetzt. Auch zukünftig wird also der Betrieb komplexer Systeme in Cloud-Plattformen erfolgen. Für alle transaktionsrelevanten Anwendungsfälle in einer B2B-Kooperation wird Blockchain das Mittel der Wahl.